{"id":182,"date":"2012-01-08T16:41:03","date_gmt":"2012-01-08T15:41:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.agenda-news.de\/?p=182"},"modified":"2012-06-16T16:41:42","modified_gmt":"2012-06-16T14:41:42","slug":"agenda-news-gewerkschaften-grose-worte-kleine-schritte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.agenda-news.de\/?p=182","title":{"rendered":"Agenda News:  Gewerkschaften \u2013 Gro\u00dfe Worte kleine Schritte"},"content":{"rendered":"<p>Christian Wulff wird scheitern, weil ihm die gro\u00dfe Mehrheit der Demokraten, wie vorher zu Guttenberg und K\u00f6hler, das Vertrauen entziehen wird. Verbirgt sich dahinter ein ganzes System von Vetternwirtschaft, Vorteilsnahmen, Seilschaften die sich auf diesem Niveau bewegen? Sind die Gewerkschaften so mit den Unternehmern verwoben, dass sie nicht mehr f\u00fcr die Belegschaften erreichen? Die Sexskandale in Verbindung mit Betriebsr\u00e4ten bei VW und einem gro\u00dfen Versicherer und Konzern weisen auf eine Verflechtung hin. Diese Entwicklung wird aufmerksam von den B\u00fcrgern zur Kenntnis genommen und die Wahlbeteiligung 2013 beeinflussen.<\/p>\n<p>Aus \u201eguten Gr\u00fcnden\u201c verlassen jedes Jahr \u00fcber 300.000 Besch\u00e4ftigte die Gewerkschaften, was zu bedauern und sehr bedenklich ist. Einer der Gr\u00fcnde ist, dass das deutsche Steuersystem in den vergangenen Jahren ungerechter geworden ist. W\u00e4hrend insbesondere Verm\u00f6gende und Unternehmen entlastet wurden, m\u00fcssen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer immer mehr zur Finanzierung \u00f6ffentlicher Aufgaben beitragen. Drei Millionen Arbeitgeber sind straff in \u00fcber 2000 Lobbys organisiert. Mit ihrem Gewicht dr\u00fccken Sie auf politische Entscheidungen.<\/p>\n<p>Denen stehen 41 Millionen Besch\u00e4ftigte gegen\u00fcber, lose organisiert in Gewerkschaften, die von ihrer Lobby erwarten, dass diese mit der gleichen Macht ihre Interessen vertreten und durchsetzen. In Deutschland sind heute 7,7 Millionen Besch\u00e4ftigte in Einzelgewerkschaften organisiert. Sie zahlen ein Prozent vom Bruttolohn, das sind, bei einem Durchschnittseinkommen von 27.700 Euro, schlappe 2,1 Milliarden Euro. Gerd Herzberg, Finanzchef bei ver.di, \u201eaber das meiste verschlingt der Apparat\u201c.<\/p>\n<p>Das Verm\u00f6gen von Verdi wird auf 1 Mrd. Euro gesch\u00e4tzt. 40 % sind in 67 eigenen Immobilien angelegt, je 30 % im Wohnungsbau und in Finanzanlagen. Es wundert nicht, dass die Konzernbosse nicht mehr dazu kommen sich um ihr Klientel, den Besch\u00e4ftigten mit unteren und mittleren Einkommen, zu k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>Den Gewerkschaften fehlen besonders die Angestellten und Besserverdienenden, Hochqualifizierte und \u201eWissensmitarbeiter\u201c. Deutschlands Gewerkschaften verlieren seit Jahren Mitglieder und werben zu wenig neue Mitarbeiter.<\/p>\n<p>Schon lange, so Franz-Josef M\u00f6llenberg, Chef der Gewerkschaft Nahrung und Genuss NGG, ben\u00f6tigt seine Organisation j\u00e4hrlich gut 25.000 Neuaufnahmen \u2013 nur, um den Mitgliedsstand zu halten. Bei der Post, sagt ver.di-Vorstand Rolf B\u00fcttner, m\u00fcssen von jeher 7.000 ausscheidende Beitragszahler ersetzt werden. Ver.di insgesamt hat zuletzt gut 200.000 Mitglieder im Jahr verloren, bei der IG Metall waren es 140.000. Nur: Die Gewerkschaften haben eben nicht entsprechend viele Neuorganisierte gewonnen.<\/p>\n<p>Nach den Gr\u00fcnden muss man nicht lange suchen. So beschwert sich Bsirske dar\u00fcber, dass im Paketdienst die Subunternehmer ihren Besch\u00e4ftigten 4 Euro Stundenlohn, statt des Tariflohns von 15 Euro, zahlen. Vielleicht sollte er in eine Gewerkschaft eintreten, die sich das nicht gefallen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Die einstigen Lichtgestalten bei e-on haben f\u00fcr Gewinne von vielen Milliarden Euro gesorgt. Hohe Dividenden und Zinsen an die Kapitalgeber, Banken, Versicherer, Konzerne, Renten- und Pensionsfonds und Verm\u00f6gende waren die Folge. Die 7 Millionen Kleinanleger haben davon nicht viel gehabt. Heute kann man sich nur \u00fcber die Naivit\u00e4t des Managements wundern, die 20 Milliarden Schulden aufgebaut haben. Als logische Konsequenz aus \u201eihrer Sicht\u201c, ein notwendiger Stellenabbau von 11.000 Besch\u00e4ftigten.<\/p>\n<p>Sigmar Gabriel lie\u00df es sich nicht nehmen, den Betriebsrat und die Besch\u00e4ftigten in Osnabr\u00fcck zu besuchen. Er war wenigstens mit seinem \u201eBeistand\u201c anwesend, von den Bossen der Gewerkschaften keine Spur. Die Mitarbeiter in der Druckindustrie erhalten ab August 2012 eine Tariferh\u00f6hung von 2,5 % und bis dahin eine Einmalzahlung, die 1,4 % pro Monat entspricht. Bei VW wurden 6 % gefordert, 2,9 % angeboten und bei 3,2 % zugeschlagen. Kurz und b\u00fcndig, ohne l\u00e4hmende Streiks, ohne Streikkosten. Bei den Lokomotivf\u00fchrern gibt es zwei Tarifgruppen: Eine f\u00fcr die Dummen bei den privaten Gesellschaften, die weniger verdienen, eine f\u00fcr die Schlauen bei der Bundesbahn, die mehr verdienen.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich ist es bei den Frauen die gleiche Arbeit leisten wie ihre m\u00e4nnlichen Kollegen, daf\u00fcr aber 23 % weniger verdienen. Den Gewerkschaften bricht die Basis weg, Frauen und Angestellte interessieren sich nicht f\u00fcr sie. Hans-Erik Ewert, Betriebsrat bei einem High-Tech-Anleger, \u201ef\u00fcr einen H\u00fchnerhaufen soll ich als Mitglied zahlen?\u201c (Zeit.de) Die Liste der Zumutungen gegen\u00fcber ihren Mitgliedern ist lang:<\/p>\n<p>Bei den Einkommenszuw\u00e4chsen liegen die Besch\u00e4ftigten an letzter Stelle in Europa. Leidtragende sind die unteren bis mittleren Netto Einkommen, die laut DIW in den letzten Jahren um 16 bis 22 %% gesunken sind. Das Thema Mindestl\u00f6hne wird von den Gewerkschaften ausgesessen. Sie lassen zu, dass Menschen ab 58 Jahre, wenn sie ein Jahr arbeitslos sind, das Arbeitslosengeld gek\u00fcrzt werden soll.<\/p>\n<p>Der Finanzminister will von 2012 bis 2015 bei den Sozialausgaben 5 Milliarden Euro pro Jahr sparen. Wo bleibt der Aufschrei der Gewerkschaften? Das ist nur ein Teil der Gr\u00fcnde, warum immer mehr Besch\u00e4ftigte &#8211; dem Konzern Gewerkschaften &#8211; den R\u00fccken kehren. An die SPD gewandt: Aus den einstigen \u201eMalochern\u201c sind l\u00e4ngst hoch qualifizierte, computergest\u00fctzte Mitarbeiter geworden. Aus \u201eBonzen\u201c, seit Jahrzehnten Sozialdemokraten, wurden Gewerkschaftsmanager. Man hat das Gef\u00fchl, dass sie nur ihr Imperium leiten und von den Problemen ihrer Mietglieder weit entfernt sind.<\/p>\n<p>Die Kanzlerin hat darauf hingewiesen, die Besch\u00e4ftigten 2012 endlich am Wirtschaftsaufschwung &#8211; durch h\u00f6here Tarifabschl\u00fcsse &#8211; zu beteiligen. Eigentlich Gewerkschaftssache! Wer mag glauben, dass die Gewerkschaften wirklich einmal mehr als die Inflationsraten (2,4 %), bei gesp\u00fcrter Teuerung von 8 &#8211; 10 %, Lohnerh\u00f6hungen von 5 &#8211; 6 % erzielen werden?<\/p>\n<p>Die Unternehmer warnen bereits, dass uns nur moderate Lohnzuw\u00e4chse im Wettbewerb halten und ein leichter Wirtschaftsabschwung bevorsteht. Es beginnt wieder das alte Spiel \u201eder armen Unternehmen die kurz vor der Pleite stehen\u201c. Arbeitgeberpr\u00e4sident Prof. Hundt hat der Kanzlerin bereits widersprochen und weist auf die sich abschw\u00e4chende Konjunktur hin.<\/p>\n<p>Politiker und Arbeitgeber lehnen sich bequem zur\u00fcck und verweisen auf die Tarifautonomie der Gewerkschaften. Diese k\u00f6nnen den berechtigten W\u00fcnschen und Erfordernissen der Besch\u00e4ftigten nicht gerecht werden, weil sie in dem Politik- und Lobbyfilz fest eingebunden sind. Das Paradebeispiel ist das Geschenk von j\u00e4hrlich 1 Milliarde Euro an Hoteliers.<\/p>\n<p>Sieht man sich einmal die Zusammensetzung der Vorst\u00e4nde und Aufsichtr\u00e4te von Banken, Konzernen, Versicherern, Stiftungen, Wirtschaftsverb\u00e4nden, Wirtschaftsinstituten und Hochschulen an, sitzen dort Gewerkschafter, Politiker und Lobbys friedlich vereint zusammen, die \u00c4nderungen herbeif\u00fchren sollen. Heraus kommt dabei ein Meinungsmix, der den heutigen Problemen nicht gerecht wird.<\/p>\n<p>Die Macher in den Gewerkschaften und Parteien kennen wohl die Sorgen der Menschen nicht mehr. Das mag auch daran liegen, dass sie einen hohen Lebensstandard haben und die Probleme des \u201ekleinen Mannes\u201c nicht mehr verstehen und vertreten k\u00f6nnen. Wenn das eine irrige Meinung sein sollte, haben Sie die M\u00f6glichkeit mit \u00fcberzeugenden Programmen zu antworten, wie sie mehr f\u00fcr Besch\u00e4ftigte rausholen wollen. Bisher sucht man danach vergebens.<\/p>\n<p>Von den Gewerkschaften werden Vorschl\u00e4ge erwartet, was sie den Finanzm\u00e4rkten und Schuldenzuw\u00e4chsen entgegen setzen wollen. Vertrauensverluste in die Handlungsf\u00e4higkeit der Gewerkschaften und der Politik hat viel Skepsis gebracht. Wann werden sie im Namen von 41 Millionen Besch\u00e4ftigten, 8,4 Millionen Regelsatz Empf\u00e4ngern und knapp 20 Millionen Rentnern (ihren Mitgliedern von gestern) in einen Konsens mit den Reichen treten und deren st\u00e4rkere Beteiligung an den Kosten des Staates fordern?<\/p>\n<p>Hilfreich k\u00f6nnten den Gewerkschaften unsere Vorschl\u00e4ge zur Haushaltssanierung sein, die ihnen in schriftlicher Form vorliegen. Sie und die Parteien werden nicht umhin kommen sich damit zu besch\u00e4ftigen. Uns ist nicht bekannt, dass es zu unserem Sanierungsprogramm von j\u00e4hrlich 150 Milliarden Euro, Gegenvorschl\u00e4ge gibt. Unser Konzept finden sie unter www.agenda2011-2012.de. Es ist auf 10 Jahre ausgelegt und umfasst 1,5 Billionen Euro. Helfen sie mit, die Themen gemeinsam schnell umzusetzen, d\u00fcrften sie sich eines Zulaufs von neuen Mitgliedern sicher sein.<\/p>\n<p>Dieter Neumann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christian Wulff wird scheitern, weil ihm die gro\u00dfe Mehrheit der Demokraten, wie vorher zu Guttenberg und K\u00f6hler, das Vertrauen entziehen wird. Verbirgt sich dahinter ein ganzes System von Vetternwirtschaft, Vorteilsnahmen, Seilschaften die sich auf diesem Niveau bewegen? 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